Drama in elf Szenen von Tennessee Williams
Der Besuch bei ihrer Schwester Stella und deren Mann Stanley ist für Blanche alles andere als paradiesisch und wird schnell überschattet von einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Stanley Kowalski und seiner Schwägerin Blanche Dubois. Die Gegensätze zwischen ihnen und ihren Lebensauffassungen könnten kaum größer sein. Blanche verkörpert die feinsinnige Dame, sie legt Wert auf ihre wohlhabende Herkunft und Manieren. Stanley dagegen erscheint als ungehobelter, impulsiver Mann; er ist ein Zuwanderer polnischer Abstammung und verbringt seine Zeit gerne mit Bowling und Pokerspiel unter Freunden. Blanche stößt sich an seiner direkten und animalischen Erotik. Gerade Stanleys Männlichkeit und die sexuellen Seiten ihrer Beziehung scheint ihre Schwester Stella, die ein Kind erwartet, besonders zu schätzen. Ihre Beziehung und ihr kleinbürgerliches Leben erlebt sie als glücklich. Blanche beginnt Stella gegen Stanley aufzuhetzen. Stanley rekonstruiert im Gegenzug die wahre Vergangenheit seiner Schwägerin, die von dem Bild, das sie von sich geben möchte, weit entfernt ist. Aus einer Welt der Illusionen landet Blanche zerstört in der Realität.
Tennessee Williams (1911-83) schuf neben "Endstation Sehnsucht" (1947) Dramen wie "Die tätowierte Rose" (1950), "Die Katze auf dem heißen Blechdach" (1955) und "Die Nacht des Leguan" (1961), die nicht zuletzt durch ihre Verfilmungen berühmt wurden. Der Regisseur Elia Kazan, der auch die Theateruraufführung inszenierte, verfilmte "Endstation Sehnsucht" mit Marlon Brando als Kowalski und Vivien Leigh als Blanche. Stärke der Dramen sind die leidenschaftlichen Charaktere, die Williams zu zeichnen vermag, die sich häufig auf einer verzweifelten Suche nach Lebenswahrheiten befinden.
Regie: Wolfgang Quetes
"Wolfgang Quetes bringt "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams in einer spannenden Inszenierung auf die Bühne des Kleinen Hauses und betont dabei das Zeitlose, das dem Konflikt zwischen Blanche und Stanley anhaftet. Sie, die Tochter aus gutem Haus, steht für das idealistische Prinzip, das, wenn es sein muss, die Augen vor der Wirklichkeit verschließt und sich in Träume flüchtet. Er, der polnische Einwanderer, handelt pragmatisch und lässt nur die Realität gelten. Dazwischen steht Stella, die von der einen Welt in die andere übergewechselt ist. Carolin M. Wirth spielt sie als patente Frau, die ihren Mann und ihre Schwester einzeln zu nehmen weiß, aber mit beiden zusammen überfordert ist." (Münstersche Zeitung)
"Noch vor 30 Jahren in Basel inszenierte Quetes ,Endstation Sehnsucht' als äußerst realistisches Stück. Wie viele andere Regisseure stand er unter dem Eindruck des gleichnamigen Films mit Vivian Leigh und Marlon Brando. Heute sieht er Blanches ,Scheitern an der Welt', sagt der Intendant. Er weiß, "dass man den Bereich des Realismus nicht immer erreichen muss'. ,Phänomene wir die Krankheit Blanches begegnen uns heute immer wieder', so Dramaturgin Ina Klose. Es war daher nicht nötig, die Geschichte in den amerikanischen 50ern anzusiedeln. Die Figur Blanche lebe sozusagen ,im Gestern von Heute', fügt Quetes an." (Westfälische Nachrichten)
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